Heiner Imöhl

An dieser Stelle soll etwas über den oder die letzten Obermarsberger Nachtwächter berichtet werden. Als Quellen dienen die Erzählungen einige älterer Obermarsberger Mitbürger.

Herkules im Spritzenhaus

Franz Bracht hatte wieder einmal einen leicht alkoholisierten Tippelbruder “eingelocht”. Natürlich bekamen das einige Oberstädter Burschen mit. Als Nachtwächter Bracht seine Runden drehte, die Luft also rein war, machten sich die Jung´s daran, den Eingekerkerten gründlichst zu beschimpfen, wohl wissend, dass der Arme hinte Gittern saß. Der wurde immer wütender und rüttelte am Gitter und stachelte die Jugendlichen noch mehr an. Plötzlich ein Ruck - Bröckeln von Gemäuer - der Gequälte hielt das Gitter in der Hand und - oh Schreck - sprang aus der Öffnung und rannte (er soll sehr fix gewesen sein) den nunmehr recht angstvoll gestimmten Burschen nach.
Franz Bracht soll, kurz bevor der Tippelbruder ein paar wohlverdiente Ohrfeigen verteilen konnte, ihn mit seinem Hund Pull gestellt haben.

Waldbeeren

Amtspersonen sind seit jeher Zielscheibe von Unzufriedenen oder Opfer von mehr oder minder gelungenen Streichen gewesen. So auch Franz Bracht.
Einen recht drastischen Scherz dachten sich einige “Halbstarke” aus.
Einer von ihnen entleerte zum Gaudi der anderen seinen Darm neben dem Spritzenhaus. Alsdann beschmierten die Übeltäter die Türklinke mit dem Ergebnis der Entleerung und versteckten sich hinter einer Hecke. Als Franz Bracht seinen Dienst antrat, griff er buchstäblich in die Sch...e! Mit der Linken fischte er seine starke Stablampe hervor und beleuchtet seine Hand. Das Zeug stank und war fast schwarz. Einzige Reaktion von Nachtwächter Bracht:”Hätzbäh, Welberten gefriäten!” (Äh bäh, Waldbeeren gefressen) - spach´s und verschwand in seiner Dienststube.

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